Pilates in Stuttgart: Was ist Pilates?


Entstehung der Trainingsmethode Pilates

Die Trainingsmethode, die heute den Namen „Pilates“ trägt, wurde von Joseph Hubert Pilates entwickelt, der 1883 in Mönchengladbach geboren wurde. Als Kind war J. H. Pilates oft krank und litt unter anderem an Asthma, was ihn allerdings nicht daran hinderte, sich bereits in seiner Jugend wie auch später als Erwachsener zahlreicher verschiedener Sportarten wie Gymnastik, Schwimmen, Tanzen, Skifahren, Turnen, Fechten, Gewichtheben, Tai Chi und Yoga zu widmen. Bei letzteren faszinierten ihn vor allem das Maß an Konzentration auf den eigenen Körper, das zur korrekten Ausführung der Übungen vonnöten war, sowie die wichtige Rolle, die die Atmung dabei spielte.

 

Aufbauend auf seinen Erfahrungen in den unterschiedlichen sportlichen Disziplinen entwickelte J.H. Pilates so nach und nach seine eigene Trainingsmethode, die er selbst „Contrology“ nannte, da sie vor allem auf präzise und kontrolliert ausgeführten Bewegungsabläufen basierte.

 

Kurz vor Ausbruch des 1. Weltkrieges wanderte J.H. Pilates nach England aus, um Berufsboxer zu werden. Als er in Kriegsgefangenschaft geriet, machte er es sich zur Aufgabe, seine Mitgefangenen zu trainieren und Kriegsverletzten unter Anwendung seiner Trainingsmethode bei der Rehabilitation zu helfen. Pilates hatte seine Trainingstechnik als ein Training an Geräten entwickelt, die er anfangs aus Bettfedern, Matratzen, Tüchern und Seilen selbst baute. Sein umfangreiches Übungsrepertoire und dessen positive Wirkung auf die Rehabilitation der Verletzen und die körperliche Fitness der übrigen Gefangenen überzeugte bald auch die Ärzte.

 

Im Jahr 1926 wanderte J.H. Pilates schließlich nach Amerika aus, wo er gemeinsam mit seiner Frau Clara ein eigenes Trainingsstudio im Gebäude des New York City Ballet am Broadway gründete. Viele der Tänzer gehörten zu seinen Kunden und seine Trainingsmethode gewann weiter an Popularität. Im Laufe seines Lebens veröffentlichte Pilates die Bücher „Your Health“ (1934) und später sein Hauptwerk „Return to Life through Contrology“.

 

J.H. Pilates starb 1967 in New York. Seine Trainingsmethode wird seitdem weltweit unter dem Namen „Pilates“ praktiziert und laufend an die aktuellsten sportwissenschaftlichen, physiologischen und medizinischen Erkenntnisse angepasst.

 

Definition und Ziele der Pilatesmethode

Pilates ist ein sanftes und gleichzeitig effektives Ganzkörpertraining, das sowohl als Einzeltraining an speziellen Geräten wie auch - heutzutage weiter verbreitet - als Gruppentraining auf der Matte durchgeführt werden kann. Es beinhaltet sowohl Kraft- als auch Dehnübungen, stets in Verbindung mit einer bewussten Atmung. Das übergeordnete Ziel des Trainings ist dabei die Kräftigung und Kontrolle des Körperzentrums (Bauch- und Rückenmuskulatur, Zwerchfell und Beckenboden), im Pilates „Powerhouse“ genannt. Bei den Pilatesübungen werden vor allem die tiefliegenden, kleinen Muskelgruppen angesprochen, die für eine aufrechte und gesunde Körperhaltung sorgen. Das sanfte Training der Tiefenmuskulatur birgt gerade bei Rückenbeschwerden ein enormes Linderungspotential und ist außerdem gelenkschonend, da die Übungen in kontrollierten, harmonisch fließenden Bewegungen ausgeführt werden.

 

Als Ziele des Pilatestrainings können u.a. folgende hervorgehoben werden:

  • Kräftigung der Muskulatur des gesamten Körpers, insbesondere der Rumpfmuskulatur
  • Erhöhung der muskulären Dehnfähigkeit und der Gelenkbeweglichkeit
  • Förderung einer aufrechten Körperhaltung und Stabilisierung der Wirbelsäule
  • Verbesserung der Bewegungskoordination, der Körperspannung und des Gleichgewichtsinns
  • Schulung der Konzentrationsfähigkeit und der Körperwahrnehmung
  • Förderung eines positiven Körpergefühls

Die wichtigsten Prinzipien des Pilatestrainings

Kontrolle

J.H. Pilates selbst nannte die von ihm entwickelte Trainingsmethode "Contrology", was darauf schließen lässt, dass die kontrollierte, bewusste und technisch richtige Ausführung jeder Bewegung das wahrscheinlich wichtigste Prinzip des Pilatestrainings ist. Jede einzelne Übung wird unter Beachtung folgender Grundsätze ausgeführt: Verbindung von Atem und Bewegung, neutrale Stellung der Wirbelsäule und korrekte Ausrichtung der Extremitäten und des Kopfes, Aktivierung der Tiefenmuskulatur sowie der für die jeweilige Bewegung wichtigen Muskeln in der richtigen Reihenfolge und harmonisch fließender Bewegungsfluss. 

Bewusste Atmung

Diese fördert den Bewegungsfluss und hilft, die Muskelspannung aufrecht zu erhalten. Während des Pilatestrainings sollte nie der Atem angehalten werden. Durch die Anspannung in der Körpermitte vor und während der Übungen ist eine Bauchatmung nicht möglich, weshalb beim Pilates die Atmung in die Brustkorbseiten praktiziert wird. Der Atemrhythmus sowie das Atemmuster (Koordination von Ein- und Ausatmung mit der Bewegung) können individuell an den Trainierenden, wie auch an die Zielsetzung der ausgeführten Übung angepasst werden.

Zentrierung

Alle Pilatesübungen werden mit einem stabilen Körperzentrum namens "Powerhouse" ausgeführt. Durch die Anspannung der tiefen Rücken- und Bauchmuskeln sowie der Beckenboden- und Zwerchfellmuskulatur vor und während der Bewegung wird eine feste Körpermitte während der Übungsausführung erreicht.

Aufmerksamkeit / Konzentration

Beim Pilatestraining soll die Aufmerksamkeit auf den eigenen Körper und die Bewegung gerichtet werden, um eine korrekte und präzise Bewegungsausführung zu gewährleisten und das Körperbewusstsein zu verbessern. Nach J.H. Pilates kann nur so ein optimales Zusammenspiel von Körper und Geist erlangt werden.

Alignment

Alignment beschreibt die aufrechte Ausrichtung des Körpers, auf die beim Pilatestraining Wert gelegt wird. Vor jeder Beuge- und Rotationsbewegung soll die Wirbelsäule in ihrer natürlichen Stellung gestreckt sein, um die Bandscheiben zu entlasten. Während der Übungsausführung wird auf eine physiologisch richtige Stellung der einzelnen Gelenke zueinander geachtet, welche eine gesunde Bewegung ermöglicht.

Bewegungsfluss

Jede Pilatesübung soll in einem harmonischen Bewegungsfluss, dynamisch und ohne Unterbrechungen ausgeführt werden. Ziel ist es dabei, nur die für die jeweilige Bewegung tatsächlich benötigten Muskeln anzusteuern und ohne Schwung zu arbeiten. Die Geschwindigkeit der Bewegung wird von der Atmung bestimmt, weshalb jeder Trainierende sein individuelles Tempo seinem Atemrhythmus anpassen sollte.

Regelmäßigkeit

Auch J.H. Pilates betonte die Wichtigkeit eines regelmäßigen Trainings, um Erfolge zu erzielen:

"Nach zehn Stunden spüren Sie den Unterschied,

nach zwanzig sehen Sie den Unterschied

und nach dreißig haben Sie einen neuen Körper."

 

Joseph Hubert Pilates (1883 - 1967)